Vom Chaos in Laos
10 12 2012Nachdem wir in Thailand noch einen 2-tägigen Stopp in Chiang Rai eingelegt haben wurde es Zeit das Land zu wechseln. Unser 30-Tage Visum sollte bald auslaufen und so fuhren wir mit dem Bus zur Grenze. Von dort aus nahmen wir das Boot über den Mekong und setzten unsere Füße das erste Mal auf laotischen Boden. Die Ausstellung der Visa lief problemlos und kurze Zeit später organisierten wir den Bus nach Luang Namtha, eine Stadt im Nordwesten von Laos.
Über die Transportmittel in Laos haben wir schon einiges gehört: “uralte Busse”, “Motorschäden”, “ewig lange Fahrzeiten”. Unser Bus war tatsächlich eine richtige Klapperkiste und als zur Abfahrtszeit alle bereit waren, sprang dieser erst einmal nicht an. Schon lagen einige Angestellte unter dem Bus am schrauben, andere düsten mit dem Motorroller los und holten Ersatzteile. Gut 75 Minuten später sprang der Motor an (juhu!) und die weitere 3,5stündige Fahrt verlief ohne Probleme.
Die Stadt Luang Namtha ist nicht wirklich spektakulär. Der Nightmarket ist recht klein und gemütlich, bietet jedoch auch keine große Vielfalt an Essen. Dafür ist die Stadt aber für Ausflüge in die Umgebung bestens geeignet und ebenso für Trekkingtouren in den Nam Ha Nationalpark. Letztere haben wir aber nicht gebucht, da wir ja erst vor Kurzem in Chiang Mai die Berge hoch und runter gejagt wurden.
So haben wir an einem Tag mit dem Fahrrad die Gegend erkundet. Wir sind zum Ban Nam Dee Village gefahren, ein kleines Dorf in der Nähe der Stadt und haben uns den nahe gelegenen Wasserfall angesehen. Dann sind wir ein bisschen durch die Landschaft gefahren, die im Vergleich zu Thailands Norden weitaus hügeliger und bewaldeter ist und die uns im Vergleich sogar noch besser gefällt.
Am zweiten Tag sind wir mit dem Motorroller ins 60km entfernte Muang Sing gefahren, wieder ein kleines Städtchen, wieder eher unspektakulär. Doch die Fahrt dorthin durch die Berge war wunderschön – wenn auch eiskalt! Kurze Hose und T-shirt vertragen sich nicht so gut mit dem Fahrtwind auf den schattigen Straßen, die von Bäumen und Hügeln umsäumt kein Sonnenlicht sehen. Auf der Rückfahrt sind wir ein kleines Stück durch den Nam Ha Nationalpark gewandert um uns wieder einen Wasserfall anzusehen. Dieser war recht klein, die Kulisse aber, so mitten im Dschungel, war perfekt.
Das Highlight auf der Tour waren jedoch die kleinen Dörfer an denen wir vorbeigekommen sind. Hier konnte man wirklich noch einen Blick auf das ursprüngliche Laos werfen. Wir sahen Laoten vor ihren Holzhütten sitzen, einige beschäftigt mit Garten- oder Handarbeit, einige reinigten sich über dem Wassergraben. Wir sahen Kinder, die draußen ihre Wäsche wuschen, mit Körben auf den Rücken Holz holten oder einfach in der Sonne zusammen spielten. Viele winkten uns zu und begrüßten uns auf laotisch. Es liefen Hunde, Hühner, Schweine und Kühe über die Straße, in der Sonne trockneten Chilischoten und Reiskörner.
Die Menschen, das Essen, der Verkehr, die Dörfer… alles ist so ganz anders als in Thailand und zugegeben, die ersten Stunden waren wir etwas skeptisch, ob das so unsere Welt ist. Der Transport dauert ewig, ist unzuverlässig, chaotisch und furchtbar unorganisiert. Laos ist dafür bekannt, ja, aber so geduldig wir auch in Thailand warteten… hier wird der Bogen etwas überspannt. Doch all diese Anstrengungen sind es wert! Hier sehen wir ein Leben, das wir so noch gar nicht kennen und das macht Laos für uns zu einem unglaublich aufregenden Reiseland.
Die nächsten Tage blieb dieser Eindruck erhalten. Erst ging es mit dem Minibus nach Nong Khiaw, ein kleines, gemütliches Dorf, wo wir in einem Horror Bungalow eine Horror Nacht erlebten. Am nächsten Morgen ging es dann total übermüdet mit dem Boot nach Muang Ngoi. Das Dorf liegt auf einer Insel und ist nur per Boot zu erreichen. Hier leben nur 800 Laoten, es fahren keine Autos, es gibt keinen Internetempfang, kein Telefonnetz und Strom ist nur von 18-22 Uhr verfügbar. Wir werden quasi zum Nichtstun gezwungen und so genießen wir hier unsere Fruchtshakes in Restaurants mit Blick auf den Fluss und die Berge, lesen in unseren Büchern, liegen faul herum oder spazieren ein bisschen durch die Gegend.
Lennart hatte sich leider eine Magenverstimmung eingefangen, die er hier aber in aller Ruhe auskurieren konnte. Als es ihm dann wieder besser ging sind wir doch noch 10km durch die Berge und Wälder hier gewandert, vorbei an Flüssen und kleinen Höhlen. Nach so einer Anstrengung kommt das Ábendbuffet hier genau richtig: für umgerechnet 1,50 konnten wir uns den Bauch vollschlagen, u.a. mit Fried Noodles, Papaya Salad und Pumpkin Curry.
Ja, hier in Muang Ngoi lässt es sich sehr gut aushalten! Leider haben wir in Laos nicht so viel Zeit wie wir gerne hätten. 30 Tage sind schnell um und durch die Weihnachtstage sind wir etwas mehr gebunden, da wir dann auf den 4000 Inseln sein möchten. Wir ziehen also langsam weiter Richtung Süden und melden uns bald wieder aus Luang Prabang!
Liebe Grüße,
Lennart und Nadine
Toller Bericht, scheint ja etwas ganz besonderes zu sein.
Immer wieder schön, Bilder von euch zu sehen – ihr seht gut aus.
Schon eure Überschriften sind immer wieder ein Genuss.
In Luang Prabang ist es sicher wieder etwas zivilisierter aber dafür vielleicht auch weniger ürsprünglich. Werdet ihr euch nach der Reise einen Roller kaufen. 😉
wir haben tatsächlich überlegt uns einen Roller zu kaufen, sind uns aber einig, dass es dann eher ein Bulli sein soll! 🙂
Was hat denn Euer Hotel zu einem Horror-Hotel gemacht?Ihr plant, Weihnachten in oder auf „4000 Inseln“ in Laos zu sein? Da wo der Mekong 14 km breit ist und es 4000 Inseln geben soll (sagt Wikipedia)?
Genau, Weihnachten verbringen wir auf den 4000 Inseln. Auf Don Khon, um genau zu sein.
Der Horror Bungalow war einfach total undicht. Überall große Ritzen. Nachts gab es zig verschiedene Tiergeräusche, die man nicht deuten konnte und als Nadine nachts auf die HOCKTOILETTE wollte waren Käfer in ihrem Schuh!
Das Moskitonetz hat uns dann auch nicht den nötigen Schlaf gebracht.
Aber wir können schon drüber lachen 😉
Total super, dass Ihr diese Reise macht und so gute Berichte schreibt. Eure Bilder sind sehr schön. Habe Euch auf meinem journal verlinkt, damit andere mit Euch reisen und Euch auch erleben können. Hoffe, das ist so in Ordnung.
Bin gespannt auf die weiteren Berichte.
Hallo Gerd,
vielen Dank für deine Nachricht.
Die Verlinkung ist natürlich in Ordnung, sieht sogar sehr schön aus 🙂
Grüße nach Minden,
Nadine und Lennart